Jay Glenn Miner - (31.5.1932 - 20.6.1994)

Jay Miner war einer der großen Designer im Computergeschäft. Er war für Atari an vielen Geräten maßgeblich beteiligt, später schuf er dann mit dem Amiga einen völlig neuen Rechner, der wiederum Maßstäbe setzte.

Geboren in Prescott, Arizona (31.5.1932), wuchs Jay Miner in Südkalifornien auf und begann sein Studium an der San Diego State University. Zur Zeit des Koreakriegs meldete er sich zur Küstenwache, wodurch es ihn nach Groton, Connecticut, verschlug, wo er die Elektronikerschule besuchte. In Groton lernte er auch Caroline Poplawski kennen, die er 1952 heiratete. Nach seiner dreijährigen Dienstzeit gingen beide nach Kalifornien, wo Miner 1958 seinen Electrical Engineering Degree der University of California, Berkeley, erwarb.
Das folgende Jahrzehnt wurde zu einer Wanderschaft von Firma zu Firma, wovon viele Neugründungen waren.

Mitte der siebziger Jahre wurde Miner von Harold M. Lee bei Atari angestellt. Er arbeitete dort an der Entwicklung des VCS und an den Heimcomputern 400 und 800 mit. Bei allen Projekten war auch seine Hündin Mitchy dabei, der während der Arbeit auf einer Couch sitzen und alles beobachten durfte. Mitchy hatte sogar ein eigenes Namensschild an der Tür und trug einen Ausweis am Halsband, der sie als befugte Person kenntlich machte.

Besonders die Custom Chips der Atari-Computer gingen auf Miners (und Mitchys ;-)) Konto. Diese Chips, allen voran ANTIC, boten herausragende Leistungsdaten (deshalb wurden sie auch in allen Modellen von 1979 bis 1985 weiterverwendet) und entlasteten den Prozessor enorm, da ein CPU-unabhängiger Speicherzugriff möglich war. Dieses Konzept wurde später auch für den Amiga übernommen, deswegen kann man die Atari-Heimcomputer auch als dessen Vorgänger ansehen.

Auch an Miners späterem Arbeitsplatz, der mit David Morse gegründeten Firma Amiga Corp., war Hündin Mitchy ständig anwesend. Die Bodenplatte der ersten Amiga-Rechner war mit den Autogrammen der Entwickler versehen, u.a. findet sich dort auch Mitchys Pfotenabdruck.

Der Amiga war wohl Miners Meisterwerk, denn er hatte 1985 Leistungen zu bieten, die die wesentlich teureren Apple Macintoshs und PCs nicht annähernd erreichten. Z.B. verfügte der Amiga im HAM-Modus über gewaltige 4096 Farben, die Konkurrenz begnügte sich zu der Zeit noch mit monochromer Anzeige oder 16 Farben. Auch der zur damaligen Zeit außerordentliche 8-Bit-Sound war in seiner Klasse unerreicht. Zudem war der Amiga vollkommen videotauglich und eroberte sich so den Videomarkt.

Als Commodore 1984 Amiga Corp. aufkaufte, kam es immer häufiger zu Streitigkeiten wegen des Amigas. Miner wollte einen vollwertigen Computer, Commodore wollte an allen Ecken und Enden sparen und das Projekt beschneiden. So blieb es auch über die Jahre, bis Miner sein “Kind” Amiga schließlich schweren Herzens verließ und zu Ventitrex, einer Firma für Biotechnologie, wechselte.

Bei Ventitrex arbeitete er an einem Defillibrator, dieser sollte auch sein letztes Projekt werden.

Jay Miner hatte den Großteil seines Lebens mit defekten Nieren und dadurch mit Dialysebehandlungen zu kämpfen. 1990 erhielt er von seiner Schwester, Joyce Beers, eine Spenderniere, was ihm weitere vier Jahre Lebenszeit bescherte.

Am 20.6.1994 schließlich erlag Jay Miner einem kompletten Nierenversagen.