Caribbean Disaster

Ein Review von amigafan.de : Caribbean Disaster ist eine satirische Politik Simulation aus dem Jahr 1996 von Ikarion. Die vier Disketten installiert man dabei am besten auf Festplatte eines Amiga mit mindestens 1MB Ram. Um jedoch die beste Performance des Spiels zu erreichen sollte es schon ein Amiga 1200 sein. Am Anfang, landet man als Solo-Politologe auf Mad Island. Auf Erholung darf man da allerdings trotz dreier Schwierigkeitsgrade weniger hoffen, schließlich geht es darum, gegen drei

CPU-Konkurrenten im Kampf um das Präsidentsamt bzw. die Ministerien für Heer, Luftwaffe und Marine zu bestehen: Wer beim unabwendbaren Ausbruch der Revolution (= Spielende) die meisten Schäfchen ins trockene gebracht, sprich, den pompösen Altersruhesitz in die Arktis gestellt hat, darf sich als Sieger betrachten und sich einen schönen Lenz machen.
Die wortwörtliche coole Pension will allerdings mit umheimlich viel taktischem Geschick und noch mehr Gespür für politische Finessen der fiesesten Art erarbeitet werden. Hier wird munter korrumpiert, intrigiert, paktiert und abkassiert, wobei man nur auf dem Schleudersitz des Präsidenten die Möglichkeit hat, in eine noble Billa aus Packeis, in einen Rolls-Royce-Motorschlitten, in ein Treibhaus für Ananas inklusive Stauden sowie ein Konto bei der Polarbank zu investieren.
Das nötige Kleingeld hierfür kassiert der Präsi entweder vom russischen oder amerikanischen Botschafter – je nachdem, welchem der beiden er gerade am besten um diplomatischen Bart geht. Wer sich allerdings zu fest im Palast einnistet, erlebt spätestens dann eine böse Überraschung, wenn die spiel-beendenden Revoluzzer in Aktion treten und den Inselchef kurzerhand auf einer schwimmenden Plastikinsel zum Teufel jagen: Gewinnen können also nur die Minister. Sie besitzen nämlich das Privileg, den Diplomaten die vier Teile eines ganz spezielles Fluchtgerätes abzuschwatzen.
Der einzige, aber um so gewaltigere Haken an der Sache ist jedoch der, daß diese Bauelemente immer abwechselnd bei den Herren Ham Burger bzw. Iwan Bolschewiki erhältlich sind. Man muß sein politisches Fähnchen also mal mit dem West- und mal mit dem Ostwind wehen lassen, damit je nach Ministerium Beamgerät, UFO oder Rakete termingerecht bereitstehen. Anders gesagt: Nur flexible Windhunde können hier das Rennen machen, da es unerläßlich ist, hin und wieder en Posten zu wechseln.
Gelegenheit dazu bieten Neuwahlen, die immer dann anstehen, wenn die drei Minister bei der allmorgendlich im Parlamentsgebäude stattfinden Abstimmung mehrheitlich einem Mißtrauensantrag zustimmen – dann geht es bis zum Sonnenuntergang auf Stimmenfang unter den alles in allem 14 Insulanern, die auch durch entsprechende Locations symbolisiert werden. Um die Urnen im eigenen Sinne zu füllen, werden Wahlplakate mit aussagekräftigen Slogans erdacht und gedruckt, zündende Reden auf dem Dorfplatz gehalten, Lokalrunden in Lolas Bar geschmissen und unschlüssige Wechselwähler mit Schmiergeldern überzeugt.
Genügend Bares und die entsprechenden Connections vorausgesetzt, läßt man die Konkurrenz zudem über den Äther vom DJ des inseleigenen Radiosenders fleißig denunzieren. Falls auch das nicht fruchtet, hilft eventuell ein Besuch beim Chef der örtlichen Geheimpolizei weiter: Gegen ein angemessenes Honorar unterzieht Herr Calzone störrische Fremdwähler einer Gehirnwäsche oder buchtet sie am Wahltag einfach ein. Außerdem hält der hilfreiche Mann für unermüdlicher Spender allerhand Informationen über Kontostand und Sachbesitz der Gegenspieler bzw. da Image des Spielers bei allen Wahlberechtigten bereit. Sollten aber selbst derlei drastische Mittel versagen, so hat die nach unten offene Subtilitätskala auf Mad Island ja noch schwerere Geschütze in Petto. Dann bricht man eben einen kleinen Bürgerkrieg von der Palme, wofür ebenfalls auf dem Eiland residierende Fabrikant Meiermann mit Vergnügen das als Muniton dienende Popcorn liefert. Und bei Kardinal Woytila gibt es nicht nur die Absolution, sondern unter der Hand auch Zeppeline, Panzer und U-Boote zu Sonderpreisen.
Mit diesem Arsenal können die Minister dann feindliche Gebäude oder Einheiten angreifen bzw. die eigenen verteidigen. Jedes der Waffensysteme ist in drei verschiedenen Ausführungen erhältlich, wobei die Unterschiede in Sachen Reichweite, Feuerkraft etc. nebst der Möglichkeit, Einheiten außerhalb der gegnerischen Sichtweite für Überraschungsangriffe zu verstecken, für viel strategischen Freiraum sorgen. Nicht zu vergessen, daß bei Bedarf auch Beistands- und Angriffspakte geschlossen werden können.
Fazit: Rein spielerisch kann die verrückte Insel also mit einigen liebsamen Überraschungen aufwarten, während bei der Präsentation auf eine bewährte Mischung aus “Mad News” und “Monkey Island” gesetzt wurde und daher auch heute noch recht ansehnlich ist. Die stimmigen Sound-Effekte und die feinen Karibikklänge aus der Feder von Chris Huelsbeck sorgen für nette Untermalung. An der Steuerung ist nichts auszusetzen, denn eine Kontrollleiste mit diversen Icons ermöglicht den komfortablen Zugriff auf alle nötige Informationen. Allein der Zugang zum Spiel ist nicht gerade eben Einsteiger freundlich, und ohne Lektüre des Handbuchs oder einer Lösung sowie mehreren Testläufen, wird man hier nicht so recht erfolgreich werden.

Ikarion

ECS: WinUAE – Config : A2000-2.0 + HD
AGA: WinUAE – Config : A1200-3.1 + HD

Politsimulation, 1995

deutsch

1 Kommentar

  1. Eigentlich ein maßgeschneidertes Spiel für mich, macht auch wirklich Spaß, denn man hat diverse Varianten zur Auswahl (bin ich mehr auf Seiten der Rebellen oder auf die des Großgrundbesitzers), leider kann man aber nur mit der “amerikanischen” Variante gewinnen, zumindestens habe ich es umgekehrt nie geschafft. Sehr flotter Karibik Sound und ne nette Idee mit dem Popcorn.

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